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Blick auf die historische Altstadt von Bad Salzdetfurth, durchzogen von der Lamme
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Listringen

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Listringen welches einst zum Flenithigau gehörte, findet sich zwischen 1175 und 1178 in der Schenkungsurkunde des Bischofs Adelog an Adelheid, der Witwe des Vicedominus Konrad v. Wassel.
Außer dem Gut Heinde, welches sie als Witwensitz bekam, wurde sie mit einem Hof von 6 Hufen Land in Listringen, dem Zehnten und einer Mühle auf Lebenszeit belehnt. Diese Schenkung schuf eine bis in heutige Zeit reichende Verbindung zwischen den Dörfern Listringen und Heinde.
Das Geschlecht derer von Wallmoden wurde durch Erbschaft Eigentümer des Gutes zu Heinde, nachdem bis ins 14. Jahrhundert hinein geistliche und weltliche Lehnsherren den Besitz der Ländereien und Stellen wechselten.
Bis 1550 wurde aller Grundbesitz in Listringen und Heinde von den Brüdern v. Wallmoden zurückerworben.

Die Gemeinde Listringen war ursprünglich in Heinde eingepfarrt. Im Jahre 1450 baute Thedel v. Wallmoden, welcher Listringen "mein Dorf" nannte, auf dem Erbgut seines Vaters eine Kapelle, die dem Hl. Georg geweiht wurde. Der Pfarrer von Heinde mußte wöchentlich eine Messe darin abhalten. 1804 wurde von Ludewig Graf v. WallmodenGimborn das heutige Kirchlein erbaut. Auf dem Türsturz ist als Sinnbild der Ewigkeit ein Schlangenring eingemeißelt, in dem sich ein Auge, von der dreieckigen Strahlenglorie umgeben, befindet. An die alte Kapelle erinnern noch die von Henning Lampe, Hildesheim 1645 gegossene Glocke mit dem Bildnis des Drachentöters St. Georg und ein Taufstein aus dem Jahre 1589.

Über die Herkunft des Ortsnamens, der die Variationen Linstringh und Listringhe umfaßt, ist nichts genaues bekannt.
Der Volksmund berichtet, daß einst hier eine Schlacht stattgefunden habe, wo bei Heersum die Heere lagerten, um bei Listringen "mit List zu ringen. Einer anderen Lesart nach hatten die Herren von Heinde dort ihren Turnierplatz und "taten mit Lust ringen".
Der Name des kleinen Wäldchens Papenlah wird als "Papenlager" gedeutet, als 1632 General Pappenheim Hildesheim belagerte.
Die Gerichtsstätte des Dorfes, der Thie, war im ehemaligen Schulgarten westlich der Kirche. Hier lagen unter hohen Eichen große Steine, die als Sitzplätze dienten. Sollte eine Versammlung stattfinden, wurde die Glocke der Georgskapelle geläutet.
Eine alte Sage weiß zu erzählen, daß in vergangenen Zeiten bei Listringen ein "Gesundbrunnen" gewesen sei. Viele Kranke fanden dort Heilung. Für den Heiltrank durfte aber keinerlei Bezahlung gefordert werden. Als nun ein reicher Mann von seiner Krankheit genas, verlangte man ihm eine Summe Geldes ab und am anderen Tage war die Quelle versiegt. Dieser Gesundbrunnen wird die Schwefelquelle nahe der Papenlah gewesen sein.

Das erste Schulhaus ist 1737 erbaut worden. Es enthielt eine Stube und drei Kammern. Die Wohnstuhe diente zugleich als Schulstube.
Der Lehrer hatte außer dem Schuldienst noch Katechismuslehre, Betstunden und Christkirche zu halten, die Betglocke zu ziehen, Ernteschauer zu läuten, die Kirche zu reinigen und den Gang der Turmuhr zu überwachen.
1858 wurde das heutige Schulgebäude neu gebaut und im November 1917 erhielt es eine elektrische Lichtanlage.

Zehn Jahre später ergab die Viehzählung: 39 viehhaltende Haushaltungen mit 40 Pferden, 121 Kopf Rindvieh, 165 Schweinen, 36 Ziegen, 566 Hühnern, 12 Bienenstöcken und 168 Schafen. Diese Statistik zeigt, daß Listringen früher ein Bauerndorf war mit von der Landwirtschaft abhängigen Handwerkerbetrieben, wie Sattlerei Schmiede, Stellmacherei und Tischlerei. Maurer betätigten sich zur Winterszeit als Hausschlachter. Alle Handwerker bewirtschafteten zusätzlich ihr eigenes Ackerland. Dieses Dorfbild hat sich im Laufe der Jahre geändert.

Die Schulstube ist sehr schön als Dorfgemeinschaftsraum umgestaltet, weil die kleine Schule 1965 geschlossen worden ist. Die Schulchronik, welche 1877 begann und uns diese Zeilen schreiben half, liegt wohlbehütet im Rathaus der Stadt Bad Salzdetfurth, die neben anderen Dörfern auch Listringen eingemeindet hat. Der letzte Lehrer unseres Dorfes war wohl ihr letzter Chronist.

An die Handwerker erinnert ein Straßenname. Die Bauernhöfe werden z.T. im Nebenerwerb bewirtschaftet und die Arbeitsstätte der meisten Einwohner liegt nicht mehr wie früher im Dorfe.

Manche Häuser wurden abgerissen, viele neu gebaut, einige liebevoll restauriert.