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Blick auf die historische Altstadt von Bad Salzdetfurth, durchzogen von der Lamme
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Das Weiße Gold

Wasser- und Salz-Pfad Bad Salzdetfurth

Die Geschichte Bad Salzdetfurths ist vom Salz geprägt. Ohne dieses Salz gäbe es die schöne Kurstadt heute nicht. Die Entdeckung der Solequelle, das traditionelle Handwerk der Salzsieder und später die Erschließung und Förderung des Kalisalzes sowie der Einsatz von Sole bei Gesundheitsanwendungen waren wichtige Stationen in der Entwicklung von Bad Salzdetfurth, unserer heutigen Erholungs- und Kurstadt.

Begeben Sie sich auf eine spannende Reise durch Bad Salzdetfurth rund um das „weiße Gold“!

Im Kurpark und der Altstadt von Bad Salzdetfurth finden Sie acht Tafeln zum Wasser- und Salz-Pfad.

Die Idee für den Wasser- und Salz-Pfad in Bad Salzdetfurth stammt von dem in Bodenburg ansässigen Künstler Hans-Oiseau Kalkmann. Die Stadt Bad Salzdetfurth hat die Idee umgesetzt. Gefördert wurde das Projekt mit Mitteln der Europäischen Union ELER - Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Mit dieser Maßnahme wird der Tourismus in ländlichen Gebieten unterstützt. Ziel ist es, die ländlichen Gebiete als Erholungs-, Freizeit- und Naturräume zu sichern und zu entwickeln.

Eine kostenlose Broschüre liefert weitergehende Informationen.  Sie ist in der Tourist-Info im Solebad sowie im Rathaus Bad Salzdetfurth erhältlich.

Allgemeine Informationen

Wer morgens das schneeweiße Gewürz auf sein Frühstücksei rieseln lässt, ahnt meistens nichts von der uralten Geschichte und einst großen Bedeutung des Minerals.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Salz ein so kostbares, weil überlebenswichtiges Gut, dass es nicht selten als politisches Instrumentarium benutzt wurde. Unruhe und Konflikte entstanden zwischen den Völkern, die es besaßen und denen, die es nicht besaßen. Kriege wurden um das Salz geführt, und weltweit entstand ein reger Handel, der Europa, Asien und Afrika durch die sogenannten Salzstraßen miteinander verband.

Während Salz bis zu dieser Zeit hauptsächlich zur Ernährung und Konservierung von Fleisch und Fisch verwendet wurde, nimmt heutzutage dieser Nutzen nur noch einen geringen Teil bei der Verarbeitung von Salz ein.

Dass Salz im Winter zur Enteisung unserer Straßen eingesetzt wird und als Grundstoff für Dünge- und Frostschutzmittel dient, ist vielen bekannt. Auch die Reinigungs-, Wasch- und Bleichmittelindustrie braucht Salz, ebenso wie die Feuerwehr, denn die flammenerstickende Wirkung verdankt der Löschschaum dem Salz. Und wer denkt schon beim Genuss eines Kuchens daran, dass auch hier das Salz in Form von Backpulver die "treibende Kraft" ist?

Die Geschichte Bad Salzdetfurths war und ist bis heute eine Geschichte des Salzes: Angefangen bei der Entdeckung der Solequellen und den verschiedenen damit verbundenen Salzgewinnungsmethoden über die Erschließung und Förderung des Kalisalzes bis zur heutigen Bedeutung der Stadt als anerkannter Kur- und Erholungsort.

Begeben Sie sich auf eine spannende Reise durch Bad Salzdetfurth rund um das "weiße Gold".

Die Solequellen

Wie alles anfing

Wie bei vielen Ortsgründungen, die im Dunklen liegen, so findet auch in Salzdetfurth der „erste Spatenstich“ mit einer Sage statt, denn ein im Tale der Lamme jagender Ritter hatte Durst, fand am Fuße des Sothenberges an der Lamme eine Quelle und trank. Das Wasser löschte jedoch seinen Durst nicht, sondern machte ihn durstiger, denn es war salzig. Nun war in dieser Zeit auch einem jagenden Ritter schnell klar, dass er auf das „weiße Gold“ gestoßen war, das seinen Wohlstand mehren konnte.

Es ist ein Prozess von Jahrmillionen, bis es zum Austritt des salzigen Wassers an dieser Stelle kam. Der schwedische Geologe Carl Ochsenius erläuterte mit seiner 1877 veröffentlichten >Barrentheorie< die Entstehung der Salzlager, bei der ein Meeresbecken durch eine Barre (Untiefe) abgetrennt wird, was durch die Hebung oder Senkung des Meeresbodens geschieht. In diesem vom Meer abgetrennten Becken ist die Wasserverdunstung größer als die nachfließende Wassermenge. So steigt die Konzentration der im Becken gelösten Salze durch die Verdunstung an. Geologische Verwerfungen sorgen dafür, dass die abgelagerten Schichten tief unter die Erdoberfläche geraten, eindringende Wasser löst das Salz und so kann es in Quellen zu Tage treten.

Die Besitzverhältnisse

Zurück zu unserem Ritter, der urkundlich sogar namentlich ermittelt werden kann, denn es war einer aus dem Hause von Steinberg, dessen Sitz eine fürstbischöfliche Burg war, die auf dem Bergrücken westlich der heutigen Reha-Kliniken stand, dem heutigen Burgberg, die aber bereits im 14. Jahrhundert zugunsten von Bodenburg verlassen wurde. Die Gründe hierfür liegen ebenfalls im Dunklen, es ist jedoch anzunehmen, dass der Wasserreichtum Bodenburgs und die äußerst günstige Versorgungslage mit ihrer hervorragenden landwirtschaftliche Nutzung im Bereich der Fachwerkburg höheren Gewinn versprach. Dass jedoch im Bereich der Lamme bereits die Solequellen viel früher bekannt gewesen sind, belegt die urkundliche Erwähnung vom Überlassen von vier >Salzsiedepfannen“ an das Kloster Lamspringe durch Conrad I von Steinberg im Jahre 1195 nebst eines Stückes Wald, denn Holz wurde für das Sieden der Sole benötigt, und bereits im 13. Jahrh. trennte sich die Ministerialenfamilie von ihren Salzrechten zugunsten der Salzpfännergilde erhielt aber noch um 1800 ca. 60 Zentner Salz im Jahr als Deputat.

Bevor jedoch aus der Sole Salz wurde bedurfte es eines langen Arbeitsprozesses in dessen Diensten auch andere Berufe standen. Da man aber mit dem Salz wohlhabend, ja sogar reich und damit auch einflussreich werden konnte, schlossen sich die Sälzer zur Salzpfännergilde zusammen. Sie erhielten von den Steinbergs die Genehmigung, einen Rat zu bilden und ein Siegel zu führen. Die früheste Ratsurkunde wurde 1391 ausgestellt und zeigt bereits im Siegel drei Salzhaken. Diese sind auch heute noch im Wappen der Stadt Bad Salzdetfurth zu finden.

Das Wort Sole hat seinen Ursprung in der spätmittelhochdeutschen Sprache und kommt von sul oder sol was Salzbrühe bedeutet. Sole ist also das Salzwasser, das in Quellen zu Tage tritt oder heute durch Bohrungen gefördert wird. Durch Eindampfen an der Sonne beim Meersalz  oder dem Sieden der Sole wird das Salz gewonnen. 

Das Salz

Salz (chemisch Natriumclorid) ist lebenswichtig: Natrium sorgt für die Regulation des Wasserhaushalts und ist für die Muskeln und Nerven unbedingt notwendig. Kein Wunder, dass Salz bei den Griechen als Göttergabe galt und ihm auch im Alten Testament eine besondere Bedeutung zukam. Die Salzgewinnung ist von den meisten Zivilisationen des Altertums bezeugt. Es ist jedoch anzunehmen, dass das Salz auch schon früher einen Platz in der Kultur der Menschen hatte. Schon die Sumerer und Babylonier nutzten Salz zur Konservierung von Lebensmitteln. Im deutschsprachigen Raum haben die Kelten dem Salz ein sprachliches Denkmal gesetzt, denn in ihrer Sprache heißt Salz >Hall< und dieses Wort hat sich in vielen Ortsnamen (z.B. Halle, Reichenhall etc.) niedergeschlagen. In Rom bekamen die Legionäre ihr "Salär" (von lat.: Salarium) in Salz. Fast zu allen Zeiten, noch bis ca. 1900, wurde mehr Salz benötigt als gewonnen wurde. Wie wertvoll Salz war, kann man daran ermessen, dass es auch „weißes Gold“ hieß. Heute hat das Salz als Wirtschaftsfaktor bei uns sein Gewicht eingebüßt, was sich auch im Preis niederschlägt, der bei einem Kilo bei 80 Cent liegt.

Die Salzpfänner

Dass bereits in vorgeschichtlicher Zeit in vielen Regionen aus der Sole Salz gewonnen wurde ist an groben Steingefäßen ablesbar. Sie haben runde, ovale oder rechteckige Formen, die nicht viel größer als eine Männerhand sind. An den Innenwänden dieser Steinnäpfe fand man jedoch Salzreste und außen Feuerspuren. Wir haben also hier die Vorläufer der mittelalterlichen Siedepfannen vor uns. Die Siedegefäße der Eisenzeit sind bereits differenzierter.

Die Situation im Lammetal

An den Ufern der Lamme wird man mit dem Sieden der Sole zu einem Zeitpunkt begonnen haben, an dem die Technik bereits ausgereifter war. Archäologische Zeugnisse aus der Frühzeit wurden hier nicht gefunden. Urkundlich ist die Salzgewinnung im Lammetal um 1200 nachgewiesen. Die Errichtung einer Archidiakonatskirche in Detfurth durch den Bischof in Hildesheim zeigt, welches Gewicht dieser Bereich hatte. Archidiakone waren abhängige Stellvertreter des Bischofs, die ein eigenständiges Benefizium hatten, was hier auch mit der Salzgewinnung zu tun haben muss. Das Land mit Feld und Wald gehörte ebenfalls dem Fürstbischof. Das Pfännerdorf wird >dat Solt to Detforde< genannt. In dieser Zeit waren die Herren von Steinberg mit den Ländereien belehnt und verfügten über eine größere Zahl von Pfannen, von denen sie dem Kloster in Lamspringe und dem Dorfe Thietforde vier verkauften. 1321 besitzt das Michaeliskloster 10 Pfannen in Salzdetfurth. Die Salzsieder oder Sölter waren in dieser Zeit Leibeigene oder Hörige der Herren von Steinberg.

Die Salzgewinnung

Die Salzsieder verrichteten ihre Arbeit in einer Salzsiedehütte, auch Kothe oder Panstadel genannt. Im österreichischen Salzkammergut hießen sie Siedehäuser, Siedesalinen oder Pfannhaus, woran ablesbar ist, dass es sich um gemauerte Gebäude handelte. In >dat Solt to Detforde<, dem Pfännerdorf an der Lamme waren die Kothen einfache, etwa 10 Meter lange Holzhütten, die kaum eine Generation überdauerten. Aus Holz und Lehm gebaut und mit Stroh bedeckt, zog der Rauch durch die Fenster oder das Dach ab. Erst mit zunehmendem Wohlstand wurde der Rauch über Schornsteine abgeführt und für den Wasserdampf Abzüge geschaffen.

In der Kothe befand sich eine Pfanne, unter der ein Feuer aus Wasenholz (Gestrüpp und max. armdicke Äste) brannte. Die Pfanne selbst bestand bis zum 18. Jahrhundert aus Blei, später aus Eisen. Beim Sieden der Sole verdampfte das Wasser und das Salz kristallisierte aus. Die noch feuchten Salzkristalle wurden mit hölzernen Schiebern zusammengekratzt und mit Holzlöffeln in Körbe geschüttet, die man mit Leinen auslegte. Hier konnte nun die restliche Flüssigkeit abtropfen. Anschließend wurde das Salz in einem aufwändigen Prozess getrocknet, bevor es in Körben, die gleichzeitig das Maß für die Menge waren, abtransportiert wurde.

Vom Salzsieder zur Salzpfännergilde

Der erfolgreiche Handel mit dem Salz führte dazu, dass die Sölter Überschüsse aus den Erträgen erzielten und sogar vom Abt des Michaelisklosters eine Jahresrente zugesprochen bekamen. Sie konnten nun selbst die Pfannen kaufen und schlossen sich zur Salzpfännergilde zusammen, die heute noch existiert und die mit steigendem Wohlstand sogar im Besitz aller 33 Pfannen war. 1413 ziehen sich die Steinbergs ganz aus dem Salzgeschäft zurück, lassen sich jedoch jährlich ein Soltwater- oder Kopegeld von 6,5 Gulden zahlen.

Geht man heute offenen Auges durch die Salzpfännerstraße, so fallen in der Häuserreihe große Tore auf. Diese führen in einen Hof, in dem das Salz gesiedet und mittels Pferdewagen abtransportiert wurde. An vielen Toren findet man Jahreszahlen die dokumentieren, dass es sich um Bauten handelt, die nach dem Brand im Jahre 1842 errichtet worden sind.

Mit dem 1851 entstandenen Zollverein und mit dem Anschluss des Königreichs Hannover an Preußen (1866) brachen für die Salzpfänner schlechte Zeiten an, da die Handelsgrenzen wegfielen. 1868 waren nur noch 12 Salzpfannen in Betrieb, denn im neu entstandenen Gebiet gab es wirtschaftlicher arbeitende Salinen mit höherprozentiger Sole, was die Pfännergilde veranlasste 1873 eine Tiefenbohrung einzubringen. Als man bei 1300m auf ein Sandsteinlager traf, stellte man die Bohrung ein.

Aus dieser Zeit stammt die Behauptung, dass in Salzdetfurth nur Besenbinder und Wilddiebe leben würden. Der folgende Spruch untermauert diese Aussage: „Wer im Sollte sich will ernähren, der muss finden Preiselbeeren. Preiselbeeren der nicht findt´, der muss Besen bind´. Besenbinden das bringt Geld, wenn man nur´s zusammenhält.“

Viele der Salzsieder waren in dieser Zeit bereits im Nebenerwerb Bauern, und da die Bauernbefreiung im Königreich Hannover vor dem Zusammenschluss eingesetzt hatte, wirkte sich das auch positiv für die Bauern an der Lamme aus – besonders in den Wüstungen Tidexen und Olstede (niedergebrannt zu Beginn der Hildesheimer Stiftsfehde) . Ein Hudeverbot in den Forsten und die Einführung der Stallfütterung bewirkten die Erholung des Waldbestandes und damit die Sicherstellung der Brennstoffversorgung der Saline, die bis 1910 mit Holz betrieben wurde. Erst danach wurde mit Kohle geheizt.

Der Salzhandel

Um ca. 10.000 v. Chr. wurde der Mensch sesshaft, baute Pflanzen an und begann Tiere zu züchten. Zuvor hatte er sich als Jäger von dem ernährt, was er in der Natur vorfand und so ausreichend Salz zu sich genommen. Durch die Nahrungsumstellung wurde nun Salz als Nahrungsergänzung lebenswichtig.

Es entwickelten sich somit je nach Region und landschaftlichen Voraussetzungen unterschiedliche Methoden der Salzgewinnung und des Transportes dieses wertvollen Gutes, das auch das „weiße Gold“ genannt wurde. Vom Altertum bis ins Mittelalter war Salz das wichtigste Fernhandelsgut. Dadurch kam es zur Bildung wichtiger Salzhandelsstraßen. Bekannt wurde zum Beispiel in Mitteleuropa der >Goldene Steg<, an dem natürlich neue Orte gegründet wurden. So ist die Gründung Münchens der Zerstörung der Brücke über die Isar bei Föhring durch Heinrich den Löwen zu verdanken. Er zwang so den Salzhandelsverkehr über eine neue Brücke, die zu den >Munichen<, den Mönchen führte. Kaiser Friedrich Barbarossa stimmte diesem geschickten Schachzug widerwillig zu und unterschrieb so die Gründungsurkunde der Stadt, die heute noch einen Mönch im Wappen führt. Auf der Salzach wurde das Salz mit Booten von Hallein/Österreich zum Bestimmungs- und Marktort Salzburg gebracht und in Mali transportieren die Berabich das aus tiefen Löchern im Wüstenboden gewonnene Steinsalz in Plattenform mit Dromedarkarawanen  nach Timbuktu, um es dort gegen Waren des täglichen Bedarfs einzutauschen.

Die an den Handelswegen liegenden Orte wurden reich, denn sie erhoben Zölle, und diesen Reichtum stellten sie durch außergewöhnliche Kirchen- und Profanbauten zur Schau. Bad Reichenhall, Schwäbisch Hall, Salzburg, Hall in Tirol, Hallstadt und viele andere tragen den Ursprung ihres Reichtums noch heute im Namen – auch Bad Salzdetfurth.

Detfurth und später Salzdetfurth lag direkt an der Frankfurter Heerstraße, die von Hildesheim kommend über die Domäne Marienburg, die Domäne Röderhof, den Roden und Detfurth durch das Lammebett führend über Bodenburg, Lamspringe und Gandersheim den Weg nach Frankfurt nahm. Interessant ist die spezifische Situation der Heerstraße im äußerst engen Tale der Lamme, handelt es sich hier im wahrsten Sinne des Wortes um eine >Wasser-Straße<, denn der „Verkehr“ der Fuhrwerke ging durch das Flussbett, da sich die Häuser direkt an beiden Ufern der Lamme befanden. Das änderte sich erst nach dem verheerenden Brand 1794, der alle Häuser vernichtete und somit Platz für eine Straße rechts und links des Flusses schuf.

Die engste Stelle des Pfännerdorfes ist noch heute sehr gut im Bereich der schmalen Fußgängerbrücke von der Salzpfännerstraße zur Oberstraße zu erkennen. Hier endete die ursprüngliche Siedlung der Salzsieder, und hier verließ auch die Heerstraße das Flussbett über eine schiefe Ebene. An dieser Stelle befand sich auch das >Obere Tor<. Der heutige Verlauf des Flüsschens hinter den Häusern mit den Hausnummern 106 bis 126 ist in den Hang kanalartig hinein geschnitten worden, um ausreichend Platz für diese Häuserzeile zu erhalten. Die direkte Lage an diesem „Kanal“ nennt der Volksmund daher auch „Klein Venedig“.

Zuständig für die Unterhaltung des zum Teil katastrophalen Zustandes der Heerstraße war die Regierung in Hildesheim, die per Erlass von 1722 sogar Landleute ohne Pferd und Wagen zu Handdiensten verpflichtete, da sonst die Handelsmöglichkeiten zu negativ beeinflusst waren. In den darauf folgenden vier Jahren zählte man 8100 Hand- und Spanndiensttage.

Mit dem in Salzdetfurth gewonnenen Salz wurde die nähere Umgebung und natürlich Hildesheim versorgt. Die ungünstige Verkehrslage im engen Lammetal führte aber dazu, dass konkurrierende Salzstädte wie Salzderhelden, Salzgitter-Liebenhall (mit bereits 47 Salzkothen im Jahre 1273) und Rhüden mehr Erfolg hatten. Dass die wirtschaftliche Situation der im Ort ansässigen Gewerbetreibenden sich dadurch verschlechterte liegt auf der Hand. Im Jahre 1845 gab es noch 13 Tischler, 8 Sattler, 2 Mauerer, 9 Schmiede, 4 Böttcher, 3 Hufschmiede, 1 Zimmermann, 3 Lohgerber, 1 Müller, 15 Seiler, 4 Bäcker und 3 Schlachter.

Die Speisesalzgewinnung kam schließlich ganz zum Erliegen, denn eine 1873 niedergebrachte Tiefenbohrung stieß auf ein Sandsteinlager. Allerdings verbesserte sich die Lage des Fleckens wieder, als 1900 das Kaliwerk seinen Betrieb aufnahm. Wichtige Informationen über die geologische Situation und zur Arbeit unter Tage sind auf der Tafel, die die Firma Kali +Salz am >Kultur-Bahnhof< neben dem Seilrad aufgestellt hat, zu finden.

Die Verkehrssituation im Tale der Lamme verbesserte sich zwar entscheidend durch den Bau der Bahnlinie von Groß Düngen nach Bad Gandersheim mit der Teilung bei Bodenburg in Richtung Elze und weiter nach Hameln, was nun aber nur für den Transport der unter Tage gewonnenen Salzprodukte und für den Individualverkehr von Bedeutung war. Das „weiße Gold“ hatte ohnehin im Laufe der Zeit durch die industrielle Gewinnung seine jahrtausende alte Bedeutung als Handelsgut verloren.

Die Gradierwerke

"Gradieren ist ein technisches Verfahren, durch das geringhaltige Salzsolen teils von Beimengungen befreit, teils auf wirksame Weise verdunstet werden. Von den verschiedenen Methoden des Gradierens ist nur noch die Dorngradierung in Gebrauch. Dieselbe wird ausgeführt, indem die Sole durch Rinnenleitungen über lang ausgestreckte Reiserwandungen, die durch Aufspeichern von Dornenbündeln zwischen Balkengerüsten von verschiedener Höhe (den Gradierwerken oder Gradierhäusern) gebildet werden, verteilt wird. Die Sole, die dabei von der Höhe der Wand herabrieselt, überzieht die Äste und Zweige der Reiser in sehr dünner Schicht, kommt dadurch in innigste Berührung mit der die Wandung durchstreichenden Luft und sammelt sich in einem unter der Dornenwand befindlichen Reservoir. In Berührung mit der Luft schlägt sich aus der Sole der Dornstein nieder. ... Der Effekt des Gradierens ist hauptsächlich bedingt durch abseitige Berührung mit der Luft und möglichst starken Luftwechsel. Die Wände müssen daher so angelegt werden, dass ihre Längsseite möglichst rechtwinklig gegen die in der betreffenden Gegend herrschende Windrichtung gekehrt ist. Die Gradierung geschieht am besten in trockener, warmer Luft." Brockhaus Konversations-Lexikon Band 11 von 1894.

Salzgewinnung

Die Errichtung von Gradierwerken erfolgt aus einer Notsituation heraus: Das immer knapper werdende Holz zur Befeuerung der Salzsiedepfannen zwang die Salinenbetreiber (meistens war es der Landesherr seltener auch Salzgilden) dazu, eine Lösung zu finden, um die aus Quellen gewonnene Sole zu konzentrieren. Findige Köpfe (hier ist besonders Saltinist J.F. Beust zu nennen, der von 1725 bis 1771 ca. 20 Gradierwerke in Deutschland und der Schweiz konstruierte) entwickelten deshalb Anlagen, in denen das Wasser verdunsten konnte und so eine stärkere Konzentration der Sole entstand.

In Bad Salzdetfurth war es der Kunst- und Salzmeister Simon Kellen aus Friedland, der 1746 das erste Gradierwerk "Im kleinen Salzgarten" für den Bauherrn, die Salzpfännergilde, hinter dem heutigen "Kronprinz" baute. Kurz darauf entstanden auch die beiden heute noch vorhandenen Gradierwerke in der "Mühlenwiese". Es handelt sich um Dorngradierwerke, die sich überall in den Salzorten von Valls in Norwegen über Bad Sulza im Osten bis hin nach Bad Wimpfen oder Bad Schwäbischhall gegenüber den vorher üblichen Strohgradierwerken durchsetzten.

Hier in Bad Salzdetfurth wurde die im Ursprung 8%ige Sole siebenmal über die Schlehdornwände geleitet und erreichte dadurch einen Sättigungsgrad von ca. 30%. Erst danach wurde sie in den Salzpfannen zum Sieden gebracht.

Freiluftinhalation

Mit dem Rückgang der Salzhandels wurde 1948 der Salinenbetrieb eingestellt. Die Einstellung der Berieselung hätte jedoch zur Folge gehabt, dass die gesamte Anlage verfallen wäre. Seit Ende der 70er-Jahre betreibt nun die Kurbetriebsgesellschaft die Gradierwerke und bietet sich ihren Gästen kostenlos zur Freiluftinhalation an. Somit ist das ursprünglich ungenutzte Nebenprodukt, die salzhaltige Luft, für die Kurgäste und die Besucher des Parks ein hervorragendes Mittel, vorbeugend und heilend auf die oberen Luft- und Atemwege einzuwirken. Menschen, die sich in dieser Luft bewegen, atmen dabei eine "frische Nordseebrise" ein und genießen auf diese Weise nicht nur die Blumenpracht oder das Veranstaltungsangebot in diesem Teil des Parks, sondern nehmen heilsame Atemluft zu sich.

Das hochwirksame Salzdetfurther Heilwasser wird im Kurmittelhaus und im Sole-, Frei- und Hallenbad seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt.

Dieses Angebot kann in Deutschland nur noch in wenigen Bädern dem Kurgast geboten werden. Um die ca. 250 Jahr alte Anlage auch weiterhin in Betrieb halten zu können, mussten in mehreren Arbeitsschritten Restaurierungs- und Ausbesserungsmaßnahmen ergriffen werden, die auch den vollständigen Austausch des Dornenwerks im Jahre 2006 notwendig machten. Inzwischen ist dieser Prozess abgeschlossen und so konnte die fertige Anlage am 1. Juli 2006 mit einem großen Fest eingeweiht werden.

Kurbetrieb in Vergangenheit und Gegenwart

Solequellen sind seit Jahrtausenden Orte der Heilung. Die in der Regel warmen Quellen wurden bereits von 2500 Jahren von den Kelten erkannt und genutzt. Griechen und Römer kultivierten diesen Brauch und bauten aufwändige Thermen im Rahmen ihrer Stadtgründungen. Mit der Völkerwanderung und dem Niedergang des römischen Reiches zerfielen diese Anlagen und erst 1802 eröffnete man in Deutschland in Salzelmen / Schönebeck das erste Solebad.

Das erste Badehaus an der Lamme

In Salzdetfurth entstand 1850 der Plan die Sole für Heilzwecke einzusetzen, was 1857 mit der Gründung einer Aktiengesellschaft und dem Bau eines Badehauses gelang. Es hatte vier Wannen, Kessel und Fässer und stand dort, wo heute der Marktplatz ist. Die Einweihung fand am 27. Mai, dem Geburtstag des Königs von Hannover statt, was dieser mit einer jährlichen Beihilfe von 100 Talern belohnte.

Dank der Heilerfolge kamen immer mehr Kurgäste und so konnten 4 weitere Wannen angeschafft werden und das Programm durch ein Fichtennadel- Dampf- und Inhalationskabinett erweitert werden, was aber nicht ausreichte, um den Betrieb wirtschaftlich zu führen. Folglich zogen sich die Aktionäre zurück und zwei Gastwirte aus Hildesheim übernahmen das Bad, erweiterten es erneut, bauten den Kursaal mit Musikpavillon und legten gepflegte Promenadenwege an.

Durch den Anschluss des Ortes an die Eisenbahnlinie nahm der Kurbetrieb weiteren Aufschwung. Die Übernachtungsmöglichkeiten in Privatquartieren reichten nicht aus, sodass 1888 ein Logierhaus, das heutige Gildehaus, und 1898/99 das >Hotel Kronprinz< gebaut wurden. Nach dem 1. Weltkrieg kam jedoch für das Bad ein empfindlicher Einbruch, den der Besitzer nicht verkraftete und die Salzpfännergilde das Bad, das Kurhaus und den Kursaal kaufte, während das Hotel von der im Jahre 1900 gegründeten >Kaliwerk Salzdetfurth AG< 1920 gekauft wurde.

Eine neue Gesellschaft

Zu allem Unglück brannte 1924 der Kursaal ab und es wurde klar, dass die Gilde den Betrieb des Bades nicht mehr schultern konnte. Das führte 1925 zur Gründung der jetzigen >Bade- und Kurbetriebsgesellschaft<, die bereits 1928 das heutige Kurmittelhaus einweihen konnte.

Am 01.12.1949 wurde der Flecken mit der Überreichung der Urkunde durch den Nieders. Innenminister zur Stadt Salzdetfurth ernannt, und seit dem 03.01.1968 darf sie sich Heilbad nennen in dem die Heilkräfte von Sole und Moor im Mittelpunkt des Angebotes stehen.

Die Heilquellen

Wie in der Vorbemerkung bereits beschrieben, hat Sole für den Menschen heilende Wirkung, die je nach Konzentration und Mineraliengehalt zur Linderung oder Wiedergenesung bestimmter Leiden beiträgt. Im St.-Gallus-Brunnen wird eine 3%ige Sole gefördert, die einen hohen Anteil an Calcium , Magnesium und Sulfat enthält, wie das Gutachten der Heilwasser-Analyse von Prof. Höll & Co bestätigt.

Im St. Georgs-Brunnen wird eine ca. 8%ige Sole gefördert, in der der das Natrium, das Calcium und das Chlorid die höchsten Werte aller vier Brunnen erreicht.

Mit Hilfe dieser Solen und deren Zusammensetzungen lassen sich fast alle Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis und Hauterkrankungen erfolgreich behandeln. Das geschieht im Therapie-Zentrum mit vielen methodischen Möglichkeiten – z.B. durch Vernebelung beziehungsweise Inhalation. Die Linderung schmerzhafter Atemwegserkrankungen lässt sich auf diesem Wege wirkungsvoll erzielen. Solebäder wirken sich positiv auf Kreislauf- und Hauterkrankungen aus was auch für verschiedene rheumatische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen im Kindesalter oder bei gynäkologischen Erkrankungen zutrifft.

Das Schwimmen im 32°C warmen Wasser im Sole-Frei- und Hallenbad ist ein besonderer Genuss, der von der 3%igen Sole garantiert wird, und der im 450qm großen Außenbecken auch im Winter im aufsteigenden Dampfnebel von besonderem Reiz ist.

Eine Besonderheit ist das Vorhandensein von zwei Gradierwerken im Kurpark. Diese sind frei zugänglich, und so ist es jedem Besucher der Kurstadt möglich durch das Einatmen der salzhaltigen Luft im Bereich der Gradierwerke einen positiven Effekt auf die oberen Atemwege zu erzielen. Dieser Effekt wird besonders von Pollenallergikern und Asthmatikern geschätzt.

Weitere Informationen zu >Sole.Moor.Wellness< finden Sie unter www.mit-natur-natuerlich-fit.de.

Der SOLTMANN

Die Idee

An der Westseite der St. Georgskirche befindet sich ein kleines Flachrelief aus Sandstein, das farbig gefasst ist. Es stellt einen im Volksmund „Soltmänneken“ genannten Sölter dar, der ein Schild mit drei Salzhaken in der Hand hält. Diese Halbfigur nahm der in Bodenburg ansässige Bildhauer Hans-Oiseau Kalkmann zum Anlass und schlug dem Rat der Stadt 1985 vor, dem unter Tage arbeitenden Bergmann des Kaliwerks im Rahmen einer KONTAKT-KUNST-Aktion ein Denkmal zu setzen. Das hierfür vorbereitete Modell im Maßstab 1:10 überzeugte die Bürgervertreter. Das Denkmal sollte aber auch das zweite wirtschaftliche Standbein des Ortes würdigen, den Kurbetrieb. Es lag also nahe, die Salzsole ebenfalls darzustellen und so entstand ein „Mischwesen“ aus Mensch, Maschine und Welle (dem intern. gebräuchlichen Symbol für Wasser). Die drehbaren Scheiben erinnern an die unter Tage zum Glätten der Wände eingesetzten Fräsköpfe.

Da das Projekt in vorbildlicher Weise die Zusammenarbeit von Künstlern, Stadt und der Kali und Salz AG vorsah und bei der Erstellung auch die Bevölkerung eingebunden werden sollte, wurde die Finanzierung zu 50% im Rahmen eines bundesweiten Modellversuchs vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft in Bonn und dem Institut für Bildung und Kultur in Remscheid getragen.

Was ist KONTAKT-KUNST?

Kontakt-Kunst ist eine in Deutschland einmalige Form der Bildhauerei im öffentlichen Raum. Sie findet in einem Zelt vor Ort statt, das als Werkstatt dient. Auf diese Weise ist es den Bürgerinnen und Bürgern, Kindern, Jugendlichen, Passanten und Touristen möglich den Entstehungsprozess einer Skulptur mitzuerleben. Aber nicht nur das allein ist möglich, denn die Bildhauer bieten Interessierten Arbeitsplätze, Werkzeug und Steinmaterial an, damit sie eigene Skulpturen erstellen können. Auf diese Weise entsteht eine Werkstattsituation in der zwischen den Künstlern und Laien neue Formen der Zusammenarbeit erprobt werden. Die bei den Kontakt-Kunst-Aktionen entstehenden Skulpturen für den öffentlichen Raum sind in der Regel dadurch gekennzeichnet, dass sie bespiel- und bekletterbar sind. Sie üben also besonders auf Kinder einen großen Reiz aus (siehe auch www.kalkmann-kontakt-kunst.de).

Der Aktionsverlauf

Die drei Bildhauer arbeiteten 1986 sechs Wochen lang mit ihren Assistenten an der >SOLTMANN<-Skulptur. Diese besteht aus 12 Steinelementen und vier Stahlteilen. Zu Beginn der 21. Kontakt-Kunst-Aktion wurden die quaderförmigen Blöcke angeliefert und im Zelt, das im Bürgerpark aufgebaut war, in Form gebracht. Da die Presse immer wieder über das Vorhaben berichtete, arbeiteten nicht nur Interessierte aus Bad Salzdetfurth mit, sondern es kamen Teilnehmer bis aus Sarstedt und Göttingen, um einen eigenen Stein zu bearbeiten. Während im Zelt an den Steinen gearbeitet wurde, arbeiteten in der Ausbildungsabteilung von Kali und Salz acht Auszubildende an den Stahlteilen für die Skulptur. Außerdem nahmen zwei Gruppen von Architekturstudenten der Universität Aachen an der Aktion teil, bei der das erste zeitgenössische Kunstwerk für den öffentlichen Raum der Lammesstadt entstand.

Da sich die Skulptur auf das Vorkommen des Salzes und seine Gewinnung bezieht, besteht das Profil der Fahrzeugreifen aus Begriffen, die auf diesen Umstand Bezug. Sie lauten auf dem

rechten Rad:

DAT SOLT • HEYSTER • SCHENKE • BAUHOLZ • WÜSTUNG • DIE SÖDE • 33 KOTEN • PFÄNNER • HÖLTING • VIEHSALZ • HALSEISEN • BÜRGER

und auf linken Rad:

KCL + NACL • K2O 20% • POLLHOLZ • VOLKSF • QUELLE • KLUTEN • ROTTZINS • BRÜCHE • BRÄNDE + FEUER • LECKEWERK • WROGERECHT

Wie wertvoll diese Form künstlerischen Arbeitens im öffentlichen Raum für die Besucher und Teilnehmer ist, ist auch in den vielen positiven Einträgen im Gästebuch nachzulesen.


Mitarbeiter an der Aktion:

Bildhauer:


Almstadt, Otto / Hildesheim
Kalkmann, Hans-Oiseau / Bodenburg
Müller-Klug, Klaus / Damnatz

Assistenten:


Kalkmann, Jens / Bodenburg
Seipelt, Wolfgang / Vechelde
Wingren, Jerry / Boulder/USA

Schmied:

Neukirch, Christian / Ingolstadt

Stahlarbeiten:

Acht Auszubildende der Kali+ Salz AG, Bad Salzdetfurth
plus Ausbildungsmeister

Pädag. Begl.

Wulf, Anke - Universität Hildesheim

Fotografie:

Korth, Sabine - Dokumentarfotografie / Bielefeld, Florenz

Diplomarbeit:

Becker-Bertram, Franziska / Universität Hildesheim

Dokumentation:



>Der SOLTMANN in Bad Salzdetfurth<, 1986
20 Seiten
Gestaltung Sabine Korth
Druck: Druckhaus Quensen, Lamspringe

Angaben zur Skulptur:

Material: Obernkirchner Sandstein / Stahl, verzinkt – „Fräsköpfe“ beweglich / Messing / Abmessungen: 210cm x 100cm x 500cm

Im Volksmund wird die Skulptur >Hotze II< genannt, denn Horst Hotze, der zur Zeit ihrer Entstehung Bergwerksdirektor war, förderte sehr engagiert dieses Kunstprojekt. Leider verstarb er viel zu früh im Jahr 2011 und so wird an ihn durch den Soltmann angemessen erinnert. Die Aufstellung dieser Tafel ist eine Initiative des Kunstverein Bad Salzdetfurth, der im Kunstgebäude auf den Schlosshof in Bodenburg seine Sitz hat. (www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de)

Bergbau

Die Entdeckung der Wirksamkeit  von mineralischem Dünger auf das Pflanzenwachstum durch Justus von Liebig im Jahr 1840 revolutionierte die Landwirtschaft. Immer mehr Bauern nutzten Kali als Düngemittel und steigerten damit ihre Ernteerträge erheblich. Rund um die erste Fundstätte in einem Staßfurter Steinsalzbergwerk entwickelte sich eine florierende, international agierende Kaliindustrie. Bald begann im gesamten damaligen Deutschen Reich eine hektische Suche nach Kali.

Da in der Mutterlauge des Salzdetfurther Salinenbetriebes Sylvin entdeckt wurde, vermutete man, dass hier auch Kalilager zu finden sein müssten.
Von April 1892 bis Dezember 1895 wurden daher insgesamt fünf Tiefbohrungen niedergebracht. Die erste Bohrung bei Detfurth erreichte das Salzgebirge nicht. Die zweite Bohrung unterhalb der Welfenhöhe durchteufte von 630 bis 647 m einen kompakten Sylvinit. Als Abteufen oder Teufen bezeichnet man in der Bergmannssprache die Herstellung von senkrechten Hohlräumen (Schächte, Blindschächte und Tiefbohrungen) zur Erschließung von Lagerstätten.

Auch die drei anderen Tiefbohrungen schlossen abbauwürdige Kalilager auf, allerdings nicht in der Qualität der zweiten Bohrung. Daher begann man im Juni 1896 dort den Schacht 1 zu teufen und erreichte 1899 seine vorläufige Endteufe von 713 m.

Interessant ist die Tatsache, dass nach Erreichen des hochwertigen Sylvinits in 630 m Teufe der Schachtdurchmesser von 6 m auf 16 m vergrößert wurde. Der so gewonnene Sylvinit konnte wegen seiner hohen Qualität direkt als Kalidünger verkauft werden und deckte so einen Teil der Schachtbaukosten. Der zusätzlich geschaffene Hohlraum wurde anschließend mit Beton verfüllt.

Die guten Ergebnisse der Tiefbohrungen und das erfolgreiche Teufen des Schacht 1 begründeten 1899 die Verlegung des Hauptsitzes der „Actiengesellschaft für Bergbau und Tiefbohrung zu Goslar“ nach Bad Salzdetfurth. Der Name wurde in „Kaliwerke Salzdetfurth Aktiengesellschaft“ geändert.

Durch die finanzielle Beteiligung der Kalibohrgesellschaft konnte endlich der langjährige Wunsch nach einer Bahnanbindung von Groß Düngen über Bad Salzdetfurth nach Bodenburg realisiert werden. Erstmals verkehrten planmäßige Züge im Oktober 1900 und das Kaliwerk konnte nun sein Kali direkt vom Werk über die Bahn  abtransportieren. Bis dahin wurde das kostbare Gut mit Pferdefuhrwerken zur Bahnstation Groß Düngen gebracht.

1903 traten die Kaliwerke Salzdetfurth AG dem Kalisyndikat bei, dem letztendlich alle Kaliwerke angehörten. Das Syndikat teilte den Kaliwerken je nach Leistungsfähigkeit Förderquoten zu.
Gemäß bergbehördlicher Auflagen teufte man von 1907 bis 1909 Schacht 2 bis zur 774 m Sohle.

Um eine höhere Quote zu erhalten, gründeten die Kaliwerke Salzdetfurth AG und der Anhaltinische Fiskus die „Kaliwerke Salzberg GmbH zu Salzdetfurth“ als eigenständige Bergbaugesellschaft. Man teufte von 1913 bis 1915 den Schacht „Salzberg“, später umbenannt in Schacht 3. Hier fehlte für ein eigenständiges Bergwerk jedoch eine Fabrik zur Aufbereitung des Rohsalzes. Man baute  daher eine Drahtseilbahn nach Schacht 1. Die vollen Förderwagen konnten so vom Schacht Salzberg zum Schacht 1 und von dort zur weiteren Verarbeitung in die Fabrik transportiert werden. Die Seilbahn wurde 1915 fertiggestellt, kam jedoch über einen Probebetrieb nicht hinaus, da untertage eine Verbindung zu Schacht 1 hergestellt wurde und das Rohsalz so untertage über Schacht 1 zur Fabrik gelangen konnte. Damit konnte eine weitere Quote im Syndikat beantragt werden. Fundamente der Seilbahn sind noch heute am Osthang der Welfenhöhe zu finden.

Auf Grund der hervorragenden Lagerstätte entwickelte sich das Kaliwerk Salzdetfurth zum wichtigsten und leistungsfähigsten deutschen Kaliwerk dieser Zeit.

Anders als bei anderen Kalibergwerken gab es in Bad Salzdetfurth keine Halde über Tage. Aus dem  geförderten carnallitischen Rohsalz musste nicht nur Kali in fester Form erzeugt werden, sondern es war auch Magnesiumchloridlauge in flüssiger Ausbildung herzustellen. Diese wurde zum großen Teil an die chemische Industrie und Zuckerindustrie verkauft. Die überschüssige Lauge konnte zunächst mit den Betriebsabwässern in die Innerste abgestoßen werden. Die festen Rückstände – überwiegend Steinsalz – gingen zurück in die Grube, reichten aber nicht aus, die Abbauhohlräume zu verfüllen. Deshalb wurde Erdmaterial zwischen den Schächten 1 und 2 über Tage gewonnen und als zusätzliches Versatzmaterial bis 1974 in die Grube verbracht.

Hochprozentige Magnesiumchloridlauge wurde auch nach Norwegen exportiert und dort zu metallischem Magnesium verarbeitet Als dieser Absatzweg 1992 entfiel, musste das Werk Salzdetfurth am 13. März 1992 die Förderung einstellen. Die großen Laugemengen konnten nicht mehr über die Innerste entsorgt werden.

Nach Schließung des Kaliwerkes wurden alle Schächte verfüllt und gegen mögliche Wasserzuflüsse gesichert.

Jahrzehntelang prägte der Kalibergbau das Leben und Arbeiten der Menschen in Bad Salzdetfurth und bescherte der Stadt und der Region Wohlstand und Arbeitsplätze. Bis 1992 waren insgesamt 84,8 Mio. t Rohsalz gefördert. Dazu knapp 10 000 t Steinsalz. In der Blütezeit des Kaliwerkes in den 1950er Jahren umfasste die Belegschaft bis zu 1700 Personen.

Heute werden in den Fabrikanlagen das Tierhygieneprodukt CATSAN sowie weitere Katzenstreuprodukte für den deutschen und den europäischen Markt produziert. Die Kapazitäten liegen bei rund 200 000 Tonnen jährlich. Es ist gelungen, vorhandene Anlagen und weite Teile der Infrastruktur eines stillgelegten Kaliwerkes erfolgreich weiter zu nutzen. Auf Schacht 3 befindet sich eine Betriebsabteilung der K+S AG, die für die Betreuung und Sanierung aller stillgelegten norddeutschen Kaliwerke zuständig ist.

Heute erinnern Förderwagen, Seilscheiben und die Industriebauten an diese Zeit. Einer Bürgerstiftung gelang es, den Förderturm von Schacht 1 als Industriedenkmal und Wahrzeichen von Bad Salzdetfurth zu erhalten. Das Bergbau- und Salzmuseum in der Saline informiert anschaulich über die Geschichte des Bergbaus in Bad Salzdetfurth.

Das ehemalige „Stadthistorische Sole-, Salz- und Kali-Bergbau-Museum“, das im Mai 1987 seine Pforten am St. Georgsplatz öffnete, entstand auf Initiative des Bergmannsvereins Glückauf. Nach über 30 Jahren, in denen die Präsentation Schritt für Schritt um die Themen Geologie, Salzsiedetum, Heimatkunde und einer eigenen Abteilung für den aus Heinde stammenden Carl Huter erweitert wurde, finden die Exponate im Sommer 2020 eine neue Heimat in der Saline. Die Besucher erwartet ab Dezember 2020 im Bergbau- und Salzmuseum eine moderne Ausstellung unter dem Dach eines außergewöhnlichen Industriegebäudes. Das Bergbau- und Salzmuseum wird durch den im Jahr 2015 gegründeten Bad Salzdetfurther Geschichtsverein betreut.

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