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    EU-Bescheinigung nach der Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) Ausstellung

    Leistungsbeschreibung

    Die Richtlinie 2005/36/EG sieht in den Artikeln 46 ff. BARL Regelungen speziell für die Anerkennung von Architekten vor. Demnach sind

    • Studienabschlüsse mit einer mindestens 5-jährigen Regelstudiendauer, sowie
    • Studienabschlüsse mit einer mindestens 4-jährigen Regelstudiendauer in Verbindung mit einer mindestens 2-jährigen berufspraktischen Tätigkeit unter Aufsicht einer berufsangehörigen Person

    automatisch anzuerkennen. Eine Liste der automatisch anzuerkennenden Studiengänge enthält der Anhang 5.7.1 der BARL. Sonderregelungen bestehen für ältere Ausbildungsabschlüsse, die vor dem akademischen Bezugsjahr 1987/1988 absolviert wurden. Beispielsweise können danach Abschlüsse der Fachhochschulen mit einer 3-jährige Regelstudiendauer anerkannt werden, wenn zusätzlich eine mindestens 4-jährige berufspraktische Tätigkeit nachgewiesen wird. Zudem sind Autodidakten unter den Voraussetzungen des Art. 47 BARL sowie ältere Ausbildungsnachweise nach Art. 49 BARL i.V.m. dem Anhang VI anzuerkennen.

    Für die Fachrichtungen der Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung enthält die Richtlinie 2005/36/EG keine speziellen Regelungen. Deren gegenseitige Anerkennung richtet sich nach den allgemeinen Anerkennungsbedingungen (Art. 5 ff. BARL im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit/ Art. 10 ff. BARL im Bereich der Niederlassungsfreiheit).

    Die Architektenkammer Niedersachsen stellt EU-Bescheinigungen aus für Berufsqualifikationen, die in Niedersachsen erworben wurden.

    Verfahrensablauf

    Ein Antrag auf Eintragung ist schriftlich oder online mit dem bereitstehenden Formular zu stellen. Die unter „erforderliche Unterlagen“ genannten Nachweise sind dem Antrag beizufügen.

    Voraussetzungen

     

    Artikel 46 BARL

    Ausbildung der Architekten

    (1)   Die Gesamtdauer der Ausbildung des Architekten umfasst mindestens entweder vier Studienjahre auf Vollzeitbasis oder sechs Studienjahre, die zumindest drei Jahre Vollzeitstudium an einer Hochschule oder einer vergleichbaren Bildungseinrichtung umfassen. Diese Ausbildung muss mit einer Prüfung auf Hochschulniveau erfolgreich abgeschlossen werden.

    Die Ausbildung muss durch einen Unterricht auf Hochschulniveau erfolgen, der hauptsächlich auf Architektur ausgerichtet ist; sie muss ferner die theoretischen und praktischen Aspekte der Architekturausbildung in ausgewogener Form berücksichtigen und den Erwerb der folgenden Kenntnisse und Fähigkeiten gewährleisten:

     

    • a) die Fähigkeit zu architektonischer Gestaltung, die sowohl ästhetischen als auch technischen Erfordernissen gerecht wird;

     

    • b) angemessene Kenntnisse der Geschichte und Lehre der Architektur und damit verwandter Künste, Technologien und Geisteswissenschaften;

     

    • c) Kenntnisse in den bildenden Künsten wegen ihres Einflusses auf die Qualität der architektonischen Gestaltung;

     

    • d) angemessene Kenntnisse in der städtebaulichen Planung und Gestaltung, der Planung im Allgemeinen und in den Planungstechniken;

     

    • e) Verständnis der Beziehung zwischen Menschen und Gebäuden sowie zwischen Gebäuden und ihrer Umgebung und Verständnis der Notwendigkeit, Gebäude und die Räume zwischen ihnen mit menschlichen Bedürfnissen und Maßstäben in Beziehung zu bringen;

     

    • f) Verständnis des Architekten für seinen Beruf und seine Aufgabe in der Gesellschaft, besonders bei der Erstellung von Entwürfen, die sozialen Faktoren Rechnung tragen;

     

    • g) Kenntnis der Methoden zur Prüfung und Erarbeitung des Entwurfs für ein Gestaltungsvorhaben;

     

    • h) Kenntnis der strukturellen und bautechnischen Probleme im Zusammenhang mit der Baugestaltung;

     

    • i) angemessene Kenntnisse der physikalischen Probleme und der Technologien, die mit der Funktion eines Gebäudes — Schaffung von Komfort und Schutz gegen Witterungseinflüsse — zusammenhängen;

     

     

    • j) die technischen Fähigkeiten, die erforderlich sind, um den Bedürfnissen der Benutzer eines Gebäudes innerhalb der durch Kostenfaktoren und Bauvorschriften gesteckten Grenzen Rechnung zu tragen;

     

    • k) angemessene Kenntnisse derjenigen Gewerbe, Organisationen, Vorschriften und Verfahren, die bei der praktischen Durchführung von Bauplänen eingeschaltet werden, sowie der Eingliederung der Pläne in die Gesamtplanung.

    (2)   Das Verzeichnis der Kenntnisse und Fähigkeiten in Absatz 1 kann zur Anpassung an den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt nach dem in Artikel 58 Absatz 2 genannten Verfahren geändert werden.

    Diese Aktualisierung darf für keinen der Mitgliedstaaten eine Änderung bestehender gesetzlicher Grundsätze der Berufsordnung hinsichtlich der Ausbildung und der Bedingungen für den Zugang natürlicher Personen zu dem Beruf erfordern.

    Artikel 47 BARL

    Ausnahmen von den Bedingungen für die Ausbildung des Architekten

    Abweichend von Artikel 46 wird ferner als den Bestimmungen des Artikels 21 entsprechend anerkannt: die Ausbildung im Rahmen der sozialen Förderung oder eines Hochschulstudiums auf Teilzeitbasis, die den Erfordernissen des Artikels 46 entspricht und von einem Berufsangehörigen, der seit mindestens sieben Jahren in der Architektur unter der Aufsicht eines Architekten oder Architekturbüros tätig war, durch eine erfolgreiche Prüfung auf dem Gebiet der Architektur abgeschlossen wird. Diese Prüfung muss Hochschulniveau aufweisen und dem in Artikel 46 Absatz 1 Buchstabe b genannten Abschlussexamen gleichwertig sein.

    Artikel 49 BARL

    Erworbene Rechte von Architekten

    (1) Jeder Mitgliedstaat erkennt die in Anhang VI aufgeführten Ausbildungsnachweise des Architekten an, die die anderen Mitgliedstaaten ausgestellt haben und die eine Ausbildung abschließen, die spätestens im akademischen Bezugsjahr begann, das in diesem Anhang angegeben ist, selbst wenn sie den Mindestanforderungen von Artikel 46 nicht genügen, und verleiht ihnen in seinem Hoheitsgebiet dieselbe Wirkung wie den Ausbildungsnachweisen, mit denen er selbst die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeiten des Architekten ermöglicht.

    Die von den zuständigen Behörden der Bundesrepublik Deutschland ausgestellten Bescheinigungen über die Gleichwertigkeit der nach dem 8. Mai 1945 von den zuständigen Behörden der Deutschen Demokratischen Republik ausgestellten Ausbildungsnachweise und der in diesem Anhang aufgeführten Nachweise werden nach diesen Bedingungen anerkannt.

    (1a) Absatz 1 gilt auch für die in Anhang V aufgeführten Ausbildungsnachweise als Architekt, sofern die Ausbildung vor dem 18. Januar 2016 aufgenommen wurde.

    (2) Jeder Mitgliedstaat erkennt unbeschadet des Absatzes 1 folgende Ausbildungsnachweise an und verleiht ihnen im Hinblick auf die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeiten des Architekten in seinem Hoheitsgebiet dieselbe Wirkung wie den von ihm selbst ausgestellten Ausbildungsnachweisen: Bescheinigungen, die Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten von denjenigen Mitgliedstaaten ausgestellt wurden, in denen die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeiten des Architekten an den nachstehenden Stichtagen reglementiert war:

    a) 1. Januar 1995 für Österreich, Finnland und Schweden;

    b) 1. Mai 2004 für Tschechische Republik, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, Polen, Slowenien und die Slowakei;

    ba) 1. Juli 2013 für Kroatien;

    c) 5. August 1987 für alle anderen Mitgliedstaaten.

    Die in Unterabsatz 1 genannten Bescheinigungen bestätigen, dass ihr Inhaber spätestens am betreffenden Stichtag die Berechtigung erhielt, die Berufsbezeichnung „Architekt“ zu führen und dass er die entsprechend reglementierten Tätigkeiten während der letzten fünf Jahre vor Ausstellung der Bescheinigung mindestens drei Jahre lang ununterbrochen tatsächlich ausgeübt hat.

    (3) Jeder Mitgliedstaat erkennt in seinem Hoheitsgebiet folgenden Nachweis als gleichwertig mit den Ausbildungsnachweisen an, die er selbst im Hinblick auf die Aufnahme und die Ausübung der beruflichen Tätigkeiten eines Architekten ausstellt: Nachweis darüber, dass die am 5. August 1985 bestehende dreijährige Ausbildung an den Fachhochschulen in der Bundesrepublik Deutschland, die den Anforderungen des Artikels 46 Absatz 2 entspricht und die Aufnahme der in Artikel 48 genannten Tätigkeiten in diesem Mitgliedstaat unter der Berufsbezeichnung „Architekt“ ermöglicht, abgeschlossen und spätestens am 17. Januar 2014 begonnen wurde, sofern die Ausbildung durch eine vierjährige Berufserfahrung in der Bundesrepublik Deutschland ergänzt wurde; diese Berufserfahrung muss durch eine Bescheinigung bestätigt werden, welche von der Architektenkammer ausgestellt wird, in deren Architektenliste der Architekt eingetragen ist, der die Vorschriften dieser Richtlinie in Anspruch nehmen möchte.

    Welche Unterlagen werden benötigt?

    Antragsunterlagen:

    Dem Antrag sind folgende Nachweise beizufügen (sofern die Unterlagen nicht bereits bei der Eintragung in die Architektenliste vorgelegt wurden):

    • Ausbildungsnachweise

    Kopien der Diplom-, Bachelor- und/oder Masterurkunde und eine Kopie des jeweiligen Abschlusszeugnisses sowie des jeweiligen Diploma Supplement. Unterlage, aus der sich die Regelstudiendauer ergibt.

    • Berufspraktische Tätigkeit (sofern zu prüfen)

    Fachrichtung Architektur:

    Bescheinigungen von Architektinnen oder Architekten als aufsichtführende berufsangehörige Personen über eine mindestens 2-jährige berufspraktische Tätigkeit in Vollzeit – in Teilzeit entsprechend länger –  in den wesentlichen Berufsaufgaben gemäß § 2 Abs. 1, 5 und 6 NArchtG (vgl. auch § 6 Abs. 3 und 5 NArchtG sowie die Satzung der Architektenkammer Niedersachsen für den Bereich der berufspraktischen Tätigkeit unter Aufsicht vom 23.11.2017,  vgl. auch die Leistungsbilder der HOAI).

    Hat eine Architektenkammer die Aufsicht über die berufspraktische Tätigkeit geführt, so ist hierüber eine Bescheinigung der Kammer vorzulegen. Eine solche Bescheinigung ist nicht erforderlich, wenn die Architektenkammer Niedersachsen die Aufsicht geführt hat.

    Vorlage eigener Arbeiten und Bescheinigungen:

     

    Es sind in der Regel mindestens 2 Pläne zu jeweils 3 Objekten (Entwurfspläne – z. B. Maßstab 1 : 100) sowie zu einem Objekt mindestens 1 Ausführungsplanung (Maßstab 1 : 50 bzw. 1 : 20) und 1 Detailzeichnung vorzulegen.

    Hat eine berufsangehörige Person die Aufsicht über die berufspraktische Tätigkeit geführt, so ist eine Bescheinigung der berufsangehörigen Person beizufügen, dass die vorgelegten eigenen Arbeiten unter Aufsicht dieser berufsangehörigen Person erstellt worden sind.

    Hat die Architektenkammer Niedersachsen die Aufsicht über die berufspraktische Tätigkeit geführt, so sind die vorzulegenden Arbeiten aus den Arbeiten auszuwählen, die der Architektenkammer während der berufspraktischen Tätigkeit vorgelegt worden sind. Entsprechendes gilt, wenn die Architektenkammer eines anderen Bundeslandes die Aufsicht ausgeübt hat.

    Fachrichtungen Innenarchitektur / Landschaftsarchitektur / Stadtplanung

    Bescheinigungen der/des Arbeitgeber/s bzw. Bestätigungen von Auftraggebern oder Behörden über eine mindestens
    2-jährige berufspraktische Tätigkeit in Vollzeit – in Teilzeit entsprechend länger –  in den wesentlichen Berufsaufgaben gemäß § 2 Abs. 2 bis 6 NArchtG (§ 6 Abs. 3 NArchtG, vgl. auch die Leistungsbilder der HOAI ) .

    Vorlage eigener Arbeiten:

    • aus dem Bereich Innenarchitektur in der Regel mindestens 2 Pläne zu jeweils 3 Objekten (Entwurfspläne – z. B. Maßstab 1 : 100) sowie zu einem Objekt mindestens 1 Ausführungsplanung (Maßstab 1 : 50 bzw. 1 : 20) und 1 Detailzeichnung
    • aus den Bereichen Landschaftsarchitektur / Stadtplanung, z. B. Objektplanung zu Frei- oder Verkehrsanlagen, landschaftspflegerische Begleitpläne, Flächennutzungspläne, Bebauungspläne, Entwicklungs-, Struktur-, Rahmen- oder Gestaltpläne, ggf. auch zur Ergänzung landschaftspflegerische Begleitpläne, Landschafts- und Grünordnungspläne, Landschaftsrahmenpläne, UVS

    Sollte sich aus den Unterlagen nicht eindeutig die Mitwirkung des Antragstellers (z. B. Namenskürzel) erkennen lassen, ist eine ergänzende Bestätigung der Mitwirkung erforderlich, z. B. durch den Arbeitgeber

     

     

    Welche Gebühren fallen an?

    Die Gebühr für die Bescheinigung beträgt 

    EUR 30,00 sofern eine Prüfung der berufspraktischen Tätigkeit anhand von Unterlagen nicht erforderlich ist und

    EUR 80,00 sofern eine Prüfung der berufspraktischen Tätigkeit anhand von Unterlagen erforderlich ist.

    Bitte fügen Sie einen Beleg, z.B. Ausdruck der Überweisung bei Online-Banking über die Zahlung bei.
    Die Bankverbindungen lauten:

    Nord/LB Hannover: BIC NOLADE2HXXX - IBAN: DE55 2505 0000 0101 4747 81

    Commerzbank Hannover: BIC COBADEFFXXX - IBAN: DE97 2504 0066 0338 8345 00

    Welche Fristen muss ich beachten?

    Es müssen keine Fristen beachtet werden. 

    Bearbeitungsdauer

    In der Regel 1 – 6 Wochen

    Was sollte ich noch wissen?

    Bemerkungen

    Keine

    Fachlich freigegeben durch

    Architektenkammer Niedersachsen.